Sproch- un Spelljrupp Niederdollendorf

Donnerstag, 29. März 2012 
Rheinische Mundart lag ihr am Herzen

Hildegard Heinen starb im Alter von 85 Jahren

HEISTERBACHERROTT. Noch am Freitag hatte Regisseur Fried­rich Müller von der „Sproch- un Spelljrupp" Niederdöllendorf El­mar Heinen schöne Grüße an dessen erkrankte Frau Hildegard aufgetragen. Und das Theaterpubli­kum im Jugendhof Rheinland schloss sich den guten Wünschen mit Applaus an. In der Nacht zu Sonntag verstarb die Mitgründerin der Theatergruppe im Alter von 85 Jahren. „Wir sind sehr traurig", sagte Friedrich Müller, „wir verneigen uns in Ehrfurcht vor ihrem Wirken. Ohne sie hätte unsere Mundartgruppe nie diese Ent­wicklung nehmen können. Wir verdanken ihr sehr viel."

1981 hatte der Förderverein der Grundschule Niederdollendorf überlegt, wie den Kindern die Mundart näher gebracht werden könnte und sich deshalb an die frühere Lehrerin Hildegard Hei­en-Bourbon gewandt. Das Ergebnis: Zu Weihnachten wurde das Stück „De Chreeßnach en Kölle" aufgeführt. Zwei Jahre später schloss sich die Gruppe den Heimatfreunden Niederdollendorf an. Seither ist die „Sproch- un Spelljrupp" nicht aus dem kulturellen Leben in der Stadt Königswinter fortzudenken. 1990 wurde das En­semble ein eigenständiger Verein. Bis 1992 führte Hildegard Heinen Regie, stets unterstützt von ihrem Ehemann Elmar Heinen. Mit ihm teilte sie die Liebe zur Heimat, zur Geschichte, den Bräuchen und der Sprache.

Die Beisetzung fand am 29. März auf dem Friedhof am Palastweiher in Königswinter-Altstadt statt.
(oro)

(bn) Heisterbacherrott.

Besonders allen Liebhabern der rheinischen Mundart war sie ans Herz gewachsen.

Am 29. März wurde Hildegard Heinen-Bourbon auf dem Friedhof am Palastweiher in Königswinter beigesetzt.

Ihre letzten Jahre waren durch Krankheit und Gebrechen erschwert, von denen sie ein plötzlicher Tod erlöste.

Geboren wurde sie am 2. Mai 1926 in Köln als jüngstem Kind einer alten Kölner Familie. Von Kunst und Musik begeistert und mit der Begabung, andere zu begeistern, war sie Lehrerin aus Berufung in Stieldorf, Oberkassel, Heisterbacherrott, Niederdollendorf und in Bad Honnef. 1981 wurde sie Leiterin einer rheinischen Theater­spielgruppe in Niederdollendorf:

Damals nämlich wurde den Eltern des Fördervereins der Longenburgschule in Niederdollendorf bewusst, dass es höchste Zeit war, Kindern ihre heimische Muttersprache nahe zu bringen, da sie Ausdrucksmöglichkeiten besitzt, die dem hochdeutschen fehlen. Hilde­gard Heinen-Bourbon war sofort dabei.

Sie entdeckte das wunderbare Theaterstück „De Chreßnaach in Kölle", fand den Kontakt zum Autor B. Gravelott, erhielt seine Genehmigung zur Aufführung und studierte die schöne ins Rheinland verlegte Weihnachts­geschichte sofort mit einer spontan entstehenden Laienspielgruppe ein, Im Probsthof Siebengebirge kam es zur ers­ten öffentlichen Aufführung, musikalisch umrahmt von Karl Willi Weck und mit der lnitiatorin Margret Leischner als Maria. Die „Chreßnaach" wurde der Dauerbrenner der Spiel­gruppe, die sich nach vielen weiteren erfolgreichen Einstu­dierungen schließlich 1991 als selbständiger Verein „Sproch ­un Spelljrupp Niederdollendorf e.V." gründete.

Natürlich führte Hildegard Hei­nen Regie, und sie hat den Begriff Regie sehr weit ausgelegt. Bei ihr umfasste er über die eigentliche Theaterarbeit hin­aus das Management für alle Vereinsbelange von persönlicher Betreuung und Ermunte­rung der Darsteller über das Entwerfen und Malen der zum Teil heute noch verwendeten Kulissen bis zum Anfertigen der Kostüme, Beschaffen auch der kleinsten Requisiten, Beleuch­tung, Werbung, Presse, Kartenverkauf, Einladung und Betreu­ung der Ehrengäste und vieles mehr.

Sie wurde die „Cheßnaachmama".

Noch viele weitere Volksstücke konnten mit ihrer Hilfe in das Siebengebirge verlegt, mit Lokalkolorit ausgestattet, in die heimische Sprache übertragen und insbesondere um die rheinländische Gabe bereichert werden, auch in schwierigen Situationen etwas Positives zu sehen und das „inwendige" Lächeln (Griemeln) nicht zu verlieren.

Darin hat sie ihr Ehemann Elmar Heinen fachkundig und tatkräftig - auch die Nächte durch an der Schreibmaschine - unterstützt. 1995 wurde ihr dcr Rheinlandtaler des Lanschaftsverbandes Rheinland und der Franz-Peter-Kürter Preis des Internationalen Mundartarchivs des Kreises Neuss verliehen.

1992 gab sie die Regie ab. Seit 1996 leitet Fritz Müller die Gruppe im Geiste von Hildegard Heinen-Bourbon.

In Liebe, Dankbarkeit und tiefer Trauer gedenkt ihrer die Sproch- un Spelljrupp und tausende Besucher.

Frau Heinen im Gespräch mit B. Gravelott über die Inszenierung der Cheßnaach in Kölle"